Struktur
Maklerbüro strukturieren: Die sieben Bereiche, die über Ihre Ergebnisse entscheiden
Die meisten Maklerunternehmen, die ich kennenlerne, arbeiten hart. Die Website ist online, die Portale sind bespielt, Anzeigen laufen, vielleicht auch Social Media. Und trotzdem bleiben die Ergebnisse hinter dem zurück, was der Aufwand verspricht. Der Reflex ist fast immer derselbe: noch mehr Marketing.
In den seltensten Fällen ist das die Lösung. Denn das eigentliche Problem liegt meist nicht im Marketing, sondern in der Struktur dahinter. Ein Maklerbüro besteht nicht aus einer Sache, die man optimiert, sondern aus mehreren Bereichen, die zusammenspielen müssen. Wenn einer davon nicht trägt, verpufft die Arbeit in allen anderen.
Ich schaue seit über dreißig Jahren auf Maklerunternehmen — aus der eigenen Praxis heraus, seit 1991 mit meinem eigenen Büro. Seither haben über 800 Makler von meiner Arbeit profitiert. Dabei haben sich sieben Bereiche herausgeschält, an denen sich immer wieder entscheidet, ob ein Büro läuft oder sich abmüht. Dieser Artikel geht sie der Reihe nach durch. Nicht, damit Sie alle sieben gleichzeitig anpacken — das wäre der nächste Fehler. Sondern damit Sie sehen, wo bei Ihnen der erste Hebel liegt.
1. Positionierung
Positionierung heißt: Wer Sie für wen sind und was Sie klar von anderen unterscheidet. Sie ist der erste Bereich, weil sie auf alle anderen durchschlägt. Wenn Eigentümer nicht in einem Satz sagen können, wofür Sie die erste Wahl sind, wird jede Anzeige teurer und wirkt weniger. Sie werben dann für ein Versprechen, das austauschbar ist.
Die ehrliche Prüffrage lautet: Können Sie selbst in einem Satz sagen, für welche Eigentümer Sie die erste Wahl sind — und würde Ihr Umfeld denselben Satz sagen? Wenn hier gezögert wird, lohnt sich kein weiterer Euro ins Marketing, bevor diese Frage beantwortet ist.
2. Marketing
Beim Marketing geht es nicht um mehr Kanäle, sondern um die Frage: Welche Maßnahmen wirken, welche nicht, und was lohnt sich für Sie? Viele Büros investieren breit und wissen am Ende des Quartals nicht, welche Maßnahme die Anfragen gebracht hat. Dann wird über das Budget nach Bauchgefühl entschieden — und wiederholt, was gar nicht wirkt.
Die Prüffrage: Wissen Sie, welche Ihrer Maßnahmen tatsächlich Anfragen bringt, und investieren Sie dort am meisten, wo der Ertrag am höchsten ist? Marketing wird erst dann günstig, wenn es messbar wird.
3. Vertrieb
Vertrieb ist die Frage, wie Ihre Akquise läuft, wo sie hakt und wie sie verlässlich wird. In vielen Büros kommt Neugeschäft in Wellen: mal viel, mal Funkstille. Und nach einem Eigentümer-Termin bleibt oft unklar, warum er zum Auftrag führte — oder warum nicht.
Die Prüffrage: Läuft Ihre Neukundengewinnung verlässlich statt in Wellen, und ist Ihr Akquiseprozess beschrieben und für alle gleich — nicht bei jedem im Team anders? Wo Akquise Zufall bleibt, ist ein guter Monat Glück und ein schlechter ein Rätsel.
4. Führung
Führung heißt hier: Wie Sie Entscheidungen treffen und Ihr Team führen, mit weniger Reibung. Gerade in inhabergeführten Büros passiert Führung oft nebenbei, zwischen Tür und Angel. Strategische Entscheidungen werden zwischen zwei Terminen getroffen, und das Team kennt die Prioritäten nicht, auf die es gerade ankommt.
Die Prüffrage: Treffen Sie strategische Entscheidungen strukturiert, und kennt Ihr Team die ein bis drei Prioritäten, die gerade zählen? Führung, die nebenbei läuft, kostet mehr Kraft, als sie zugibt.
5. Prozesse
Prozesse sind die Frage, was strukturiert läuft, was ad hoc passiert — und was das kostet. Ohne festgelegte Abläufe wird jeder Vorgang neu erfunden, es entsteht Doppelarbeit, und das berühmte „Das dachte ich, machst du” häuft sich.
Die Prüffrage, und sie ist unbequem: Läuft Ihr Geschäft auch weiter, wenn Sie eine Woche nicht im Büro sind? Wo die Antwort Nein lautet, hängt zu viel an einzelnen Köpfen — meist an Ihrem.
6. Team
Beim Team geht es darum, wer was macht, wie verlässlich, und wo Kapazität fehlt oder verschwendet wird. Ein Büro kann wachsen und trotzdem langsamer werden, wenn Rollen und Verantwortlichkeiten unklar sind. Dann steigt der Abstimmungsaufwand schneller als die Ergebnisse.
Die Prüffrage: Weiß jeder im Team, wofür er zuständig ist und woran seine Arbeit gemessen wird? Und wenn Sie etwas Neues einführen — ist klar, wer es im Alltag tatsächlich anwendet? Neues, das niemand konkret übernimmt, bleibt Theorie.
7. Zahlen
Zahlen sind die Frage, was Sie messen, was Sie damit steuern — und was im Dunkeln bleibt. Viele Büros steuern über den Eindruck statt über Kennzahlen. Dann fällt erst auf, dass eine Zahl gekippt ist, wenn das Quartal vorbei ist.
Die Prüffrage: Kennen Sie Ihre Kennzahlen von Kontakt bis Abschluss, ohne zu schätzen, und sehen Sie früh, wenn eine Zahl kippt? Zahlen ersetzen keine Erfahrung — aber sie machen Entscheidungen belastbar.
Wie Sie mit den sieben Bereichen arbeiten
Der häufigste Fehler an dieser Stelle ist, alle sieben Bereiche gleichzeitig verbessern zu wollen. Das führt zu viel Bewegung und wenig Wirkung. Sinnvoller ist der umgekehrte Weg: Sehen Sie zuerst, welche Bereiche bei Ihnen bereits tragen und welcher einzelne Bereich der größte Hebel ist. Ein einziger konsequenter Schritt am richtigen Bereich bewegt mehr als zehn Maßnahmen quer über alle.
Die Reihenfolge ist dabei kein Zufall. Positionierung, Marketing und Vertrieb entscheiden, ob überhaupt Anfragen kommen. Führung, Prozesse und Team entscheiden, ob das Büro das Geschäft auch verkraftet, wenn es wächst. Und die Zahlen zeigen, ob Sie steuern oder nur reagieren.
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